Moselsteig I – Von Perl bis Konz

Weindorf Nittel

Nittel heißt das kleine Weindorf an der südlichen Mosel. Dort übernachte ich und von dort aus starte ich meine drei Etappen auf dem Moselsteig. Ein Bahnhof, eine Kirche, ein Bach, knapp 2000 Einwohner, 25 Weinbauern und die Mosel vor der Nase geben diesem Ort einen Esprit, den man selbst erlebt haben muss.  

Weingut Karl Sonntag

Bei der Suche nach einer Unterkunft bringen mich die Kombination aus guter Bahnanbindung und zentraler Lage im Wandergebiet auf Nittel. Das Weingut Karl Sonntag überzeugt mit seiner aufgeräumten, klaren und schicken Internetseite. Also quartiere ich mich hier für drei Nächte ein. Eine richtig gute Wahl!

Aufenthalts- und Frühstücksraum

Ich reise am Donnerstag an. Das Weingut liegt mitten im Ort, fünf Minuten zu Fuß zum Bahnhof. Es ist, wie die Internetseite erwarten lässt, ein ehrlicher, authentischer Ort, der sich nicht für Touristen mit Schnickschnack umgibt. Hier geht es um den Wein und den Aufenthalt an einem Ort, der Atmosphäre ausstrahlt. Die Gestaltung der Zimmer, des Aufenthaltsraums und das Frühstück beweisen guten Geschmack.

Novum

Im Novum esse ich zu Abend. Familie Pfaffenberger tischt lecker und raffiniert auf und dabei fühle ich mich von Herzen willkommen. Ich glaube, es ist einer der ersten Abende nach dem Ende der Corona Sperre und am einzigen besetzen Tisch ahne ich, wie schwer die vergangenen Wochen für das Restaurant waren. 

Anja und Kenneth Pfaffenberger schauen aber nach vorn und so bin ich nach Zander auf einem Bett aus Bärlauch-Tagliatelle zwei Gläsern Auxerrois des Nitteler Weinguts Frieden-Berg und einer Pfaffenbergerschen Mousse au Chocolat-Kreation glücklich, zufrieden und bettschwer.

Moselsteig Etappe 1 Perl – Palzem

An der südlichen Mosel ist der Transfer kinderleicht. Mit dem Zug bis Perl, dann zu Fuß nach Palzem und von dort wieder mit dem Zug an den Ausgangspunkt Nittel zurück. Das war es, aber dazwischen liegen 24 Kilometer Fußweg und 600 Meter rauf und auch wieder runter.

Luxemburg im Blick, mit einem Fuß in Frankreich und dem anderen in Deutschland: so beginnt die Tour. Die europäische Luft tut gut, gerade nach den drastischen Corona Maßnahmen, zumal wenn sie vom frischen Buchengrün angereichert ist. Das wechselt sich hier ab mit Äckern, Weinbergen, Streuobstwiesen und immer wieder Wald.

Weite Blicke, wie aus purer Lust kreisende Bussarde, singende Amseln und pfeilschnelle Schwalben beflügeln meine Schritte. Ein frischer Wind weht die Mosel hinab, dennoch lädt das sonnige Frühlingswetter zum Rasten am Feldrand ein. Die Landschaft wirkt wie vom Landschaftsarchitekten gestaltet.  Der würzige Duft frisch gemähten Grases belebt und die Elblingreben steigern die Vorfreude auf die Weinprobe am Abend.

Weinprobe im Weingut Karl Sonntag

Winzer Thomas Sonntag präsentiert zu Käse, Wurst und Brot eine schöne Bandbreite aus seinen Bio-Weinen. Natürlich sind es der Elbling und der Auxerrois, beides Spezialitäten von der südlichen Mosel. Aber auch der Weißburgunder vom Nitteler Rochusfels und der Riesling vom Nitteler Leiterchen schmeicheln Nase und Gaumen. Der tiefrote Regent Barrique und die Rarität Tradition Naturwein offenbaren nicht nur geheimnisvolle Aromen, sondern auch die tiefe Verbundenheit und die Freude, mit der Thomas Sonntag sich dem Kulturgut Wein widmet.

Wie der Ort und die Pension, so ist auch die Weinprobe im gutseigenen Gewölbe ein angenehm authentisches Erlebnis. Und nach zweieinhalb Stunden mit immer wieder gut gefüllten Gläsern kommt es mir sehr gelegen, dass zwischen mir und meinem Zimmer nur noch eine gerade Treppe liegt.

Moselsteig Etappe 2  Palzem – Nittel

Nach einem guten Frühstück mit Traubensaft vom Weingut Karl Sonntag mache ich mich entspannt auf den Weg zum Bahnhof. Der Weg von Palzem nach Nittel, die zweite Etappe des Moselsteigs mit 330 Höhenmetern, ist nur 16,5 Kilometer lang und als leicht eingestuft. Erholung also und deshalb kein allzu früher Aufbruch nötig. Ein paar Minuten sind es mit dem Zug bis Palzem. Hier geht es vom kleinen Bahnhof quer durch den Ort und über die Bundesstraße direkt in die Weinberge. Auf der ersten Waldetappe holt mich ein sonores „Guten Morgen“ von hinten aus meinen Gedanken. Ein rüstiger Nordic-Walker hat mich eingeholt, begleitet mich ein paar hundert Meter und freut sich über mich als „ersten Moselsteig-Wanderer“ nach dem Corona-lock-down. Freundlich, soviel steht fest, sind die Menschen hier an der südlichen Mosel.

Die Etappe bleibt sehr abwechslungsreich und bietet immer wieder schöne Blicke über das Moseltal. Der Weg führt durch einige kleine Ortschaften, denen man ansieht, dass sie es schwer haben und nach einer neuen Perspektive suchen. Auf einigen Kilometern hört man aus dem Tal die Geräusche von Straße und Bahn, die daran erinnern, dass das Moseltal eine wichtige Lebensader ist.

Nach zahlreichen Pausen auf Bänken und im Gras kommt der Abstieg nach Nittel doch etwas zu früh. Schöne Blicke auf das Weindorf geben der Schlussetappe eine besondere Note.

Straußwirtschaft Greif

Ausklingen lasse ich den zweiten Wandertag in der Straußwirtschaft Greif. Inzwischen bin ich ein Fan des Auxerrois und so suche ich mir nicht den Wein zum Essen, sondern das Essen zum Wein aus. In der Straußwirtschaft scheint die Corona Starre überwunden, es herrscht bereits emsiger Betrieb. Der von reichlich Auxerrois begleitete Hauptgang gipfelt in einem Erdbeer-Tiramisu. Der Tag endet mit dem kleinen Spaziergang zurück zum Weingut Karl Sonntag.

Moselsteig Etappe 3 Nittel – Konz

Mit 22,5 Kilometern und 570 Höhenmetern zieht die 3. Etappe wieder etwas an. Aber auch hierfür reicht eine gute Grundkondition. Aufwärts geht es  durch die Nitteler Weinberge und auf dem Nitteler Felsenpfad. Danach bietet der Pfad weite einsame Landschaftsabschnitte. Im Rhythmus meiner Wanderstöcke komme ich mit jedem Schritt mehr zur Ruhe. Die herrliche  Abgeschiedenheit endet erst an der Wallfahrtskapelle auf Löschem. Hier wird das Auge noch einmal mit einer schönen Aussicht auf die Saarmündung und die Weite der Landschaft belohnt. 

Beim Abstieg nach Wasserliesch nehme ich ein Waldbad auf einer dafür ausgelegten Palette und genieße den Blick in die Baumkronen der Buchen. 

Ein paar hundert Meter weiter macht eine Felsinschrift aus dem Jahr 1703 auf den Weingenuss vor über dreihundert Jahren aufmerksam. Und mit dem schönen Dreiklang „Wandern, Wein und Weite“ kann ich die Moselsteig-Erfahrung jetzt im Kapitel meiner positiven Wandererlebnisse verbuchen. Das letzte kleine Wegstück von Wasserliesch zum Bahnhof nach Konz hat lediglich eine Zubringerfunktion und führt häufig an Straße oder Gleis entlang.

Wie angekündigt, habe ich die drei Etappen nicht mit Zelt und Rucksack zurückgelegt. Ich habe mir fest vorgenommen, den Moselsteig in den nächsten Jahren weiter nach Norden zu gehen und darüber jeweils kurz zu berichten.

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