Maas, Schwalm, Nette Niederrhein – Paris II

Stadt, Land, Fluss

Manche werden sich an das Gesellschaftsspiel verregneter Sonntagnachmittage erinnern: Stadt, Land, Fluss – Fluss mit M, S oder N können wir nach unserer zweiten Etappe auf dem Weg nach Paris beisteuern.

Wald

Was aber an diesem kühl-windigen Tag Ende Februar im Grenzgebiet zwischen Niederrhein und der niederländischen Provinz Limburg auffällt, ist die kilometerlange Strecke durch Wald. Überwiegend schlängelt sich der von Komoot vorgeschlagene Pfad schmal und einsam durch die flache niederrheinische Waldlandschaft. Manchmal nur als Trampelpfad zu erkennen und angesichts junger Kiefernbäumchen mit einem Anflug von schlechtem Gewissen zu begehen. Kaum einmal führt der Weg an den Waldrand oder auf asphaltierte Straßen, geschweige denn durch besiedeltes Gebiet. Der einzige Ort, den wir zu passieren haben, ist Kaldenkirchen.

Wasser

Hier geht es zunächst an einer stark befahrenen Güterzugtrasse entlang, die wir an einer Unterführung zu queren haben. Allerdings steht die weit und breit einzige Unterführung dank der starken Regenfälle der letzten Tage unter Wasser. Trockenen Fußes kommen wir da nicht durch. Unvermittelt taucht ein junger Wanderer auf und gibt uns in englischer Sprache den Tipp, die zweigleisige Bahnstrecke einige hundert Meter zurück an einer übersichtlichen Stelle zu überqueren. Überrascht von seinem plötzlichen Erscheinen, habe ich vergessen zu fragen, was ihn ausgerechnet zu uns an den Niederrhein verschlagen hat. Vielleicht geht er einen der Zuwege zum Jakobsweg, denen wir ebenfalls abschnittsweise folgen. Ungefährdet und mit dem Hund auf dem Arm setzen wir seinen Tipp um.

Vor uns erstreckt sich ein noch junges Gewerbegebiet, aus dem riesige Logistikhallen einschüchternd aus dem Boden wachsen. Während wir uns fragen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, grüßt uns ein LKW Fahrer aus Italien, der hier mit dutzenden Fernfahrern abseits des Lärms der nahen A 61 sein Wochenende verbringt. Obwohl alles übersichtlich und gepflegt ist, atmen wir durch, als wir die letzte Bastion Kaldenkirchens, ein Marmorwerk, hinter uns lassen können und der Wald uns wieder aufnimmt.

Unbegrenzt

Windgeschützt wandern wir durch den Wald und genießen die noch schüchtern wärmenden Strahlen der Sonne. Wir passieren ein Naturschutzgebiet nach dem anderen, sie heißen Venloer Heide, Heidemoore, Hühnerkamp und Schlucht. Tatsächlich sind ungefähr 90 Höhenmeter zu bewältigen. Die Höhendifferenz kommt dadurch zustande, indem wir offenbar an der Abbruchkante einer eiszeitlichen Moräne oder einer ehemaligen Steilküste entlanglaufen und abwechselnd hinunter und wieder nach oben müssen. Jeweils oben ergibt sich durch die Baumstämme hindurch ein sehr weiter Blick in die Niederlande, der in der Ferne an bewaldeten Hügeln Halt findet. Wir laufen jetzt über viele hundert Meter unmittelbar an der niederländischen Grenze entlang und stoßen auf verwitterte Grenzsteine. Eine Tafel informiert darüber, dass der graue Stein als Grenzmarkierung hier wahrscheinlich bereits seit etwa vierhundert Jahren steht und ursprünglich die Grenze zwischen den Herzogtümern Geldern und Jülich war. 

Gemächlich pirschen wir uns von Grenzstein zu Grenzstein weiter, bis wir den Keulseweg in Reuver erreichen, das Ziel unserer heutigen zweiten Etappe auf dem Weg nach Paris.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.