Auf dem Lieserpfad zwischen Wittlich und Manderscheid

Start Wittlich ZOB

Der Wittlicher Bahnhof liegt außerhalb des Zentrums. Deshalb fahre ich von hier aus mit dem Bus in die Stadt und steige am zentralen Haltepunkt (ZOB) aus. Ich kaufe mir Reiseproviant und sehe zu, dass ich drei Liter Wasser im Gepäck habe. Unterwegs gibt es keine Möglichkeit, Verpflegung zu kaufen. Ein kurzer Fußweg durch die Innenstadt führt bis zum Lieserufer, an dem ich auf den Lieserpfad treffe. Etwa 25 gut markierte Wander-Kilometer sind es bis Manderscheid.

Die Wanderetappe beginnt mit einigen ebenen Kilometern. Beim Warmlaufen lasse ich allmählich die Ausläufer der Stadt hinter mir. Unverhofft sehe ich einen Weinberg, der mich daran erinnert, dass die Mosel in der Nähe ist. Bereits einige Minuten später tauche ich in die Waldeinsamkeit ein, die mich bis Manderscheid begleiten wird. Knapp acht Stunden und etwa 560 Meter bergauf sind zu bewältigen und fordern eine gute Kondition. Aber jeder Meter lohnt sich. Ich finde meinen Rhythmus noch bevor sich der Forstwirtschaftweg zum Pfad verengt. Rechts und links bleibt es waldig ohne zu langweilen. Augen und Ohren kommen zur Ruhe.

Alte Pleiner Mühle

Nach einiger Zeit führt der Lieserpfad oberhalb an der Alten Pleiner Mühle vorbei. Wer hier schon durstig oder hungrig ist, kann den kleinen Abstecher machen. Es empfiehlt sich, vorher die Öffnungszeiten zu recherchieren. Das nächste Restaurant gibt es dann wieder in Manderscheid.

Naturerlebnis Vulkaneifel

Wenn unter mir in der Lieser-Schlucht eine Stockente wie ein Pfeil über den Bach fliegt, ein Graureiher konzentriert im Wasser steht, ein ganzer Hang sich mit blühendem Fingerhut schmückt, dichtes Ginstergebüsch mannshoch den Weg flankiert, Krüppeleichen mit Licht und Schatten spielen, wilde Erdbeeren durchs Unterholz schimmern, ein Hauch von Waldmeister in der Luft liegt, Quellwasser über bemooste Felsen rieselt, der Weg sich windet und dreht, steil bergauf führt und wieder bergab fällt, in einem dunklen Seitental fast verschwindet, auf eine sonnige Lichtung oder eine windige Kuppe trifft, sich felsig, morastig, sandig gibt, auf Rucksackbreite verengt und immer wieder tiefe Einblicke in das Liesertal oder weite Sicht über die Eifel gewährt, dann weiß ich, weshalb ich diesen Abschnitt seit einigen Jahren in jedem Frühjahr mindestens ein Mal gehe.

Schlussetappe

Ich bin diesen Teil des Lieserpfads mehrfach in beide Richtungen gegangen, bevorzuge aber die Ankunft in Manderscheid. Hier ist der Weg bis zum Schluss abwechslungsreich und es gibt schöne Ausblicke auf die Manderscheider Burgen, während auf der anderen Seite die etwa vier Kilometer der Schlussetappe eher zäh sind.

In Manderscheid trete ich oberhalb der Manderscheider Burgen aus dem Wald und befinde mich am Parkplatz Burgenblick. Ich folge knapp 1,5 km der Hauptstraße, die mich durch den Kurort Manderscheid vorbei an der Alten Molkerei, der Trattoria Vulcano, dem De Port Weincafe und der Biobäckerei Johann Utters & Sohn (mein Brot-Tipp)  führt (Hinweis Frühjahr 2021: jetzt hat leider auch dieser Laden geschlossen). Während die Hauptstraße leider von Jahr zu Jahr weniger lebendig und mehr und mehr vernachlässigt wirkt, sprießen nur wenige Meter entfernt allerlei Einfamilienhäuser aus dem Eifelboden. Vom Bauernhof Becker auf der Hügelkuppe ist der Naturcampingplatz Vulkaneifel bereits zu sehen.

Naturcampingplatz Vulkaneifel

Die Natur und ein weitgehend naturbelassenes Umfeld prägen diesen terrassenförmig angelegten Platz. Auf der Zeltwiese entlang des Waldrands verbreitet sich Trekkingcamp-Atmosphäre. Gelegentlich trägt der Wind Holzfeuergeruch auf die Zeltwiese und manchmal dringen auch Fetzen von Gitarrenmusik und Gesang zu mir nach oben. Spätestens ab 22 Uhr sind es die Rufe des Waldkauzes und anderer nachtaktiver Tiere, die für die richtige Musik zum Einschlafen sorgen.

Drei Tage Manderscheid

Manderscheider Burgen

Beim ersten Besuch steht die Besichtigung der Manderscheider Burgen auf dem Programm. Ich nehme nicht den direkten Weg über das Dorf, sondern überquere direkt am Campingplatz die Dauner Straße und gehe auf dem Manderscheider Burgenstieg. Die Stille des Waldes und wunderschöne Aussichten auch auf die Burgen machen diesen Weg lohnenswert.

Burg Café

Das „Burgfräulein“ ist mit ihren leckeren Kuchen leider aus der Niederburg „ausgezogen“. Ob das Burg Café auf der anderen Straßenseite jetzt eine gute Alternative ist, habe ich noch nicht getestet. Das werde ich machen, sobald die Corona Auflagen es wieder zulassen.

wer so viel wandert . . .
Kloster Himmerod

Vom Campingplatz aus gehe ich auf dem Eifelsteig die gut ausgeschilderte Strecke bis zur Abtei Himmerod im Salmtal. Etwa zwei Drittel der knapp 19 km wandere ich auf dem Lieserpfad zurück. Die Gegenrichtung macht den schon bekannten Abschnitt tatsächlich zu einem neuen Wander-Erlebnis. Die Zisterzienserabtei Himmerod ist ein Ort der inneren Einkehr und Ruhe. Auch der Klosterladen inspiriert mit seinen regionalen Produkten. Mit dem Bus der Linie 303 fahre ich zurück. An der Haltestelle Zehntscheune/Großlittgen wechsele ich den Bus und fahre mit der Linie 300 bis zur Haltestelle Dauner Straße in Manderscheid.

Aufenthaltsdauer

Drei Tage verbringe ich auf dem Naturcampingplatz Vulkaneifel. Mit der Buslinie 300 fahre ich zurück Richtung Wittlich. Sicher ist: spätestens im nächsten Jahr komme ich wieder.

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